Auch Hans Zach tanzte über Daskis Obstkisten

Der Tölzer Meistertrainer war den Eishockey-Lehrbüchern oft einen Schritt voraus

Dass ein Eishockeytrainer mit 80 Jahren noch die Schlittschuhe überstreift und die Übungen eines Nachwuchsteams leitet, wird es außerhalb von Bad Tölz nicht so häufig geben. Im Isarwinkel wundert sich darüber niemand. Mike Daski, Chefcoach der Kleinschüler, der am 24. Mai 2009 sein achtes Lebensjahrzehnt vollendet hat und zum Ehrenmitglied des EC Bad Tölz ernannt wurde, ist hierzulande bekannt wie ein bunter Hund und kein bisschen amtsmüde. „80 – das ist für mich nur eine Zahl“, sagt er grinsend.

1955 war der vielseitig begabte Mike Daski (links im Bild Ehefrau Gisela) aus Winnipeg, Sohn ukrainischer Auswanderer, zum ersten Mal nach Bad Tölz gekommen – als Spielertrainer einer erfolgreichen Mannschaft. Vor allem schob der Kanadier die Nachwuchsarbeit des Isarwinkler Clubs kräftig an. Bis dahin, erinnert sich Daski, wurden Nachwuchsspieler frühestens mit 12 Jahren aufgenommen. Der neue Cheftrainer rührte tüchtig die Werbetrommel, lockte annähernd 80 Kinder an die Peter-Freisl-Straße. Ein Jahrzehnt später, bei seinem zweiten Engagement in Tölz, sollte er die Früchte der intensivierten Nachwuchsarbeit ernten. 1966 nämlich gewann der ECT unter seiner Führung als Außenseiter seinen zweiten Deutschen Meistertitel. „Wir waren nicht die beste Mannschaft“, sagt Daski, „aber die ehrgeizigste.“
Stolz ist der in Reichersbeuern heimisch gewordene Trainer auf diesen Erfolg schon. Es wurmt ihn allerdings bis zum heutigen Tage, dass er sich in den beiden darauf folgenden Spielzeiten mit stärkeren Tölzer Teams jeweils mit der Vizemeisterschaft begnügen musste. „Daskis Dancers“ wurden die Tölzer Buam damals bisweilen spöttisch genannt. Eine Anspielung auf die von dem Kanadier entwickelte Übung: Mit einem Tanz über Obst- oder Bierkisten hoffte Daski den läuferischen Defiziten und dem mangelhaften Passspiel seiner Schützlinge beizukommen. Mit Erfolg. Ex-Bundestrainer Hans Zach, einer der wenigen Übungsleiter mit einem Diplom der Sporthochschule in Köln, hat immer wieder hervorgehoben, er habe von keinem seiner Trainer so viel gelernt wie von Daski.

Nationaltorhüter mit Seile an die Torlatte gebunden

Markus Neumaier, seit sieben Jahren Daskis Co-Trainer, hält ebenfalls große Stücke auf seinen nimmermüden „Chef“: „Er ist mein Vorbild. Er kann zwar ganz schön stur sein, ist aber immer gerecht. Vor allem beim Schlittschuhlaufen sieht man, welche Spieler durch seine Schule gegangen sind.“
Den Lehrbüchern war Daski stets ein paar Schritte voraus. Einige der Lektionen waren für die Betroffenen allerdings schmerzhaft. Zum Beispiel für den verstorbenen Richard Wörschhauser, den späteren Nationaltorhüter. Er blieb nach Meinung seines Trainers nie lange genug stehen. Als mahnende Worte nicht fruchteten, band Daski den Schlussmann mit einem Seil an der Querlatte des Gehäuses fest. „Als er zum zweiten Mal die Latte ins Genick bekam, hat er’s begriffen“, lacht Daski. Mit einer nicht weniger rüden Methode trieb der Trainer Sepp Buchinger eine Marotte aus. Dieser Nationaltorwart hatte sich angewöhnt, halbhohe Pucks bisweilen nicht mit der Fanghand aufzunehmen, sondern sie mit den Beinschonern gleich wieder ins Feld zurück zu kicken. Daski ließ den Schlussmann im Training ohne Beinschoner auflaufen. (Im Bild links ist Daski beim Einlösen einer Wette nach der Deutschen Meisterschaft zu sehen: Er musste Geld mit dem Klingelbeutel sammneln und brachte 2800 Mark zusammen)
Einem Stürmer, der zu eigensinnig agierte, klebte Daski zum Gaudium der übrigen Spieler mit Isolierband einen Puck an den Schläger: „Jetzt hast Du einen ganz alleine für Dich.“
Sich selbst hat der Kanadier von ungewöhnlichen Maßnahmen nicht ausgenommen. Beim SC Riessersee ließ sich Daski – war’s eine Wette oder nur Aberglauben – nach einer schier endlosen Serie zehn knapper Niederlagen – eine Glatze schneiden. Es war der Beginn einer Siegesserie, an deren Ende die Haare längst wieder nachgewachsen waren.

Die Sonnenseiten des Trainer-Daseins hat Daski (rechts im Bild auf Händen getragen  nach dem Gewinn des Meistertitels 1966 von den Tölzer Spielern Walter Riedl, Albert Loibl und Georg Eberl) ausgiebig kennengelernt. Nicht nur beim Eishockey. Auf der Highschool in Kanada blieb die von ihm gecoachte Frauen-Basketball-Mannschaft fast drei Jahre lang ungeschlagen. Daski hat viele Parallelen zwischen dem Eishockey und der vorgeblich körperlosen Ballsportart ausgemacht und viele Trainingsformen hier wie dort eingesetzt. „Die Kondition ist die Grundlage von allem“, sagt er. Manche Dinge allerdings hat man – oder eben nicht. Das ist etwa der Torriecher, das blitzschnelle Erahnen der nächsten Situation. Oder eben auch der instinktive maßgenaue Pass. Daski hat früher im Training vermutlich manche Wette damit gewonnen, dass er seinem Mitspieler den Puck selbst mit geschlossenen Augen auf den Schläger servieren konnte: „Das hat bei zehn Versuchen neunmal geklappt“, versichert er.

Mike Daski ist schon lange in der "Hall of Fame"

Besonders gerne hat der Kanadier mit jungen Leuten gearbeitet. Nicht nur in Tölz. Auch beim SC Riessersee oder beim EV Landshut leistete der Wahl-Reichersbeurer, der schon vor Jahren in die „Hall of Fame“, die Ruhmeshalle des deutschen Eishockeys aufgenommen wurde, Pionierarbeit. Unliebsame Erfahrungen sind dem Eishockeytrainer natürlich nicht erspart geblieben. Auch beim EC Bad Tölz, der für ihn jahrelang keine Sozialbeiträge abführte. Als Daski mit einem Blinddarmdurchbruch ins Krankenhaus eingeliefert wurde, stellte sich heraus, dass er noch nicht einmal krankenversichert war.

In fünf Sportarten Meister geworden

In Augsburg, ein paar Jahre später, ist ihm dies noch einmal widerfahren. Das ist auch der Grund, weswegen er heute mit einer sehr geringen Rente auskommen muss. „Zum Glück habe ich auch in den Jahren, in denen ich sehr gut verdiente, aufs Geld geachtet.“ Seine Triebfeder allerdings war stets das Streben nach Erfolg und Titeln. Als Spieler oder Trainer ist Daski in fünf verschiedenen Sportarten Meister geworden (siehe unten). Erfolg im Sport ist indessen längst nicht alles. Kleinschüler-Spieler, die eine Schulaufgabe in den Sand setzen, müssen schon damit rechnen, als erzieherische Maßnahme für ein paar Tage vom Training suspendiert zu werden.
Der Unterstützung von ECT-Chef Josef Hintermaier darf sich Daski in diesem Punkt sicher sein: „Er lehrt die Kinder nicht nur den Sport, sondern auch, wie man sich in seinem sozialen Umfeld bewegt.“ Hintermaiers Wunsch zufolge dürfte der Kleinschüler-Trainer seinen Job auch noch ein paar Jahre, „gerne bis zum 90. Geburtstag“ ausüben. Daski sagt jedenfalls nicht Nein: „Solange man meinen Rat will, solange ich gesund bleibe und solange es noch Spaß macht.“

Text/Fotos: Hans Staar und privat
(Veröffentlichung im Tölzer Kurier)

Mike Daski im Telegramm
Geburtsdatum: 24. Mai 1929
Geburtsort: Winnipeg, Manitoba
Familienstand: verheiratet, ein Kind

Stationen als Spieler:
Kanada: Kelowna Packers, St. John, Winnipeg Maroons, Brandon Wheat Kings (Meister 1954)
England: Harringay Racers, Earls Court Rangers, Brighton Tigers, Nottingham Panthers, Wembley Lions
Schottland: Ayr Racers, Paisley Pirates
USA: Philadelphia Falcons
Italien: Diavolo Rossi Neri Milano (Ital. Meister)
Schweiz: Montana, EHC Kloten
Deutschland: EC Bad Tölz

Stationen als Trainer:
Kanada: Winnipeg Maroons (Landesmeister),
Deutschland: EC Bad Tölz (Deutscher Meister), Holzkirchen (Regionalligameister 1969), Rosenheim (Oberligameister), Augsburger EV (BL), SC Riessersee (BL), EV Landshut (BL), EHC 70 München, ESV Kaufbeuren, Berliner SC, EHC Straubing, SV Bayreuth, Nordhorn, Selb (Aufstieg in Oberliga), ERSC Amberg (Aufstieg)
Österreich: HC Salzburg, HC Graz
Schweiz: EHC Kloten, Montana
Holland: Tilburg Trappers (Holland), HC Geleen
Italien: HC Meran (Trainer des Jahres)

Erfolge in weiteren Sportarten
Basketball: CUAC (Kanadisch-Ukrainischer Athletik Club): Kanadischer Juniorenmeister als Spieler (WHL)
CUAC (Kanadisch-Ukrainischer Athletik Club): Kanadischer Vizemeister als Trainer der Frauenmannschaft
Baseball: Elwood Giants: Kanadischer Juniorenmeister und kanadischer Jugendmeister
Fußball: EPAC Institute: Kanadischer Vizemeister
American Football: Isaac Newton Highschool: Provinzmeister
Curling: Montana: Schweizer Meister

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