Der Mozart-Schwager und Beethoven-Freund aus Benediktbeuern

Von Leingruben zur Leimgrube: Das bewegte Leben von Friedrich Sebastian Mayer

Wer kennt schon Friedrich Sebastian Mayer aus Benediktbeuern? Der Sohn des Klostertafeldeckers Joseph May(e)r und der Schmieds-Tochter Katharina Heinrizi lebte von 1773 bis 1835 und war Sänger, Schauspieler, Komponist und Bühnenregisseur. Über den Mann hätte sieh längst gnädig der Mantel des Vergessens gelegt, wenn er nicht prominente Zeitgenossen gekannt, beeinflusst und - seiner Familie gezählt hätte. Der Benediktbeurer war nämlich Schwager von Wolfgang Amadeus Mozart, dessen 250. Geburtstag sich heute jährt. Mayer nannte auch Ludwig van Beethoven seinen Freund.

Es war die klösterliche Erziehung, die dem Dorfbuben aus dem Steiger-Haus (Dorfstraße, alte Hausnummer 82) das Emporklimmen auf der musikalischen Karriereleiter ermöglichte. Als Neunjähriger, so berichtet der Musikhistoriker Karl Maria Pisarowitz, habe er das Klosterseminar begonnen und sei Sängerknabe geworden. Die ihm zugedachte geistliche Ausbildung beendet er zwar hei der Jesuiten, gibt aber schon er Konzerte als Bassist in Schwaben und in der Schweiz. 1792 hat er in Linz ein festes Engagement und debütiert ein Jahr darauf in Wien als „Sarastro” in Mozarts Zauberflöte. Ob er den kurz zuvor gestorbenen Mozart (1756 - 1791) selbst gekannt hat, ist nicht überliefert. Mozarts Zauberflöten-Librettist Emanuel Schikaneder ist jedenfalls so angetan von Mayers Können, dass er ihn fest für sein „Freihaustheater auf der Wieden” engagiert. Dort lernt Mayer Josepha kennen. Sie war die älteste der drei Töchter aus der Familie Weber, in deren Haus Mozart oft verkehrte. Mozart hatte sich eigentlich unsterblich in Aloysia verliebt, die ihn aber verschmähte. So heiratete Wolfgang Amadeus Mozart 1782 die jüngste Schwester Constanze. Über Josepha fällte er ein deftiges Urteil: „Eine faule, grobe, falsche Person, die es dick hinter den Ohren hat.” Daran muss wohl etwas dran gewesen sein. Josepha, ebenfalls Sängerin auf Schikaneders Bühne, war verheiratet mit einem Geiger, als sie Mayer kennenlernte. (Der zeitgenössische Stich im Bild links von Vinzenz Raimund Grüner zeigt den Benedibeurer Schauspieler Friedrich S. Mayer als Pizarro in Beethovens "Fidelio".)

Mayer über „Fidelio”: „Verdammter Unsinn”

Pisarowitz spottete: „Während der brave Geiger Hofer herunten im Orchester schwitzt, wird sie sich oben hinter den Kulissen mit Bastl scharmuzierend einig.” Der Bastl war freilich von genau demselben Schlag. Noch vor der Hochzeit mit der inzwischen verwitweten Josepha (1796) hatte der Loisachtaler ein Verhältnis mit einer anderen Frau, woraus ein Kind entsprang. Gleichwohl hat er sich mit der deutlich älteren Josepha bis zu ihrem Tode 1819 offenbar gut verstanden. Der Mozart-Schwager aus Benediktheuern war noch mit einem anderen Musik-Titanen gut bekannt: Ludwig van Beethoven (1770 - 1827). Mayer war auserkoren, die Holle des Pizarro in der Oper Fidelio zu übernehmen. Gleichzeitig begleitete er als einer von mehreren Ansprechpartnern Beethovens den Reifungsprozess und die nicht unkomplizierte Entstehungsgeschichte der Oper. Er genoss zumindest zeitweise das Vertrauen des eigenwilligen und schwierigen Beethovens, der zu dieser Zeit sein Gehör verlor. Es sind mehrere Briefe des Komponisten an Mayer erhalten. 1999 stand einer bei Sothebys zur Versteigerung. Friedrich Sebastian Mayers Rolle als Pizarro war indes wenig erfolggekrönt. Der Beethoven-Biograf Alexander Wheelock Thayer geht davon aus, dass Beethoven absichtlich eine Passage äußerst schwierig gestaltete, um den zwar guten Schauspieler, aber mäßigen Sänger von seinem all zu großen Selbstvertrauen zu kurieren. Mayer, so wird überliefert, soll so in seinem Stolz gekränkt worden sein, dass er wutschnaubend zu Beethoven sagte: „Mein Schwager hätte einen solchen verdammten Unsinn nicht geschrieben.” Bei der mehrfachen Überarbeitung des Gesamtwerks durch Beethoven wurde auch die Arie des Theaterbösewichts Pizarro neu geschrieben.
Über die Kontakte zu Mozart und Beethoven hinaus sind nur wenige Spuren Friedrich Sebastian Mayers zu finden. Der Musikhistoriker Karl Maria Pisarowitz weiß zu berichten, dass er am 9. Mai 1835 in Wien „Leimgrube Nr. 27” als „k. k. pensionierter Hofopernsänger” an „Bauchwassersucht” gestorben ist. Mit Sinn für Kuriose zieht Pisarowitz ein Lebensfazit: „Von Leingruben, dem heutigen Benediktbeuern, also hin zur Leimgrube. Sind Gottes Wege nicht ganz wunderbar?”
(Veröffentlichung im Tölzer Kurier)

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