Der Tölzer Schützenmarsch feiert Jubiläum

Ein Münchner Jurist wird Tölzer Bierbrauer, Bürgermeister und Komponist: Anton Krettner

Bad Tölz - Er ist nur 50 Jahre alt geworden und lebte auch nur eine Lebenshälfte in Tölz. Und doch hat er den Ruf von Tölz entscheidend geprägt und ihn in alle Welt hinausgetragen. Die Rede ist von Anton Krettner (1849-1899), dessen "Tölzer Schützenmarsch" zu seiner Zeit das war, was heute ECT, Knabenchor und "Bulle von Tölz" sind. Vor 125 Jahren war die Uraufführung des Werks - komponiert übrigens für Männerchor und Streichmusik.

Anton Krettner stammte aus einer Münchner Handwerkerfamilie und studierte Jurisprudenz. Schon damals war er musikalisch aktiv und komponierte als Erstlingswerk den Vetterschaftsmarsch, der wohl nicht zufällig einem gleichnamigen Geselligkeitsverein gewidmet war. Krettner war zeitlebens auch ein sehr geselliger Mensch, der fest eingebunden war ins Orts- und Vereinsleben.

Seinem Leben eine neue Richtung gab ein Besuch von Tölz im Jahre 1872, als er die Bruckbräu-Witwe Babette Lettinger kennenlernte. Er warf das Studium hin, wurde Hauslehrer und heiratete sie im Jahr darauf. Krettner war nun der Bruckbräu.

In einer Hommage der "Sänger- und Musikantenzeitung" wurde Krettner zu seinem 100. Todestag als "Musterbeispiel kultureller Migration von der Stadt aufs Land" bezeichnet. So brachte er die Freude fürs Theater oder etwa die Zitherbegeisterung der Münchner - gefördert durch Herzog Max - mit nach Tölz und baute Verbandstrukturen mit Ausbildung, eigener Zeitung ("Echo vom Gebirge") und Instrumentenbau mit auf. Der Tölzer Bruckbräu gründete auch die Tölzer Liedertafel, den Orchesterverein und die Tölzer Sektion des Alpenvereins.

Und daneben war er Komponist. Es ist überliefert, dass die Königlich-bayerische Feuerschützengesellschaft für ihre Faschingsveranstaltung eine passende Unterhaltung suchte. Der damalige Amtsrichter Häusler soll gesagt haben: "Krettner, wir bräuchten einen flotten Marsch für unseren Schützenzug. Das wäre doch was für Sie." Der Wirt ließ sich nicht lange bitten. Acht Tage später war der "Tölzer Schützenmarsch" komponiert. Die Verse hatte der begabte Dichter Krettner auch gleich mitgeliefert und neben seiner Heimatstadt auch mehreren Lokalgrößen ein Denkmal gesetzt. Heute ist von ihnen bloß noch der Maler Karl le Feubure bekannt.

Krettner hat noch vieles mehr komponiert. Etwa eine Mazurka "Auf der Zwieselalm" oder den Marsch "Auf nach den Bergen". Überlebt hat nur der "Tölzer Schützenmarsch", dessen Erfolg Krettner noch erlebt hat und dies drei Jahre vor seinem Tod so beschrieb: "Es freut mich, konstatieren zu können, daß das heitere Bild oberbayerischen Gebirgslebens, welches ich in Wort und Ton zu geben versucht habe, allerwärts nicht nur hier, sondern auch in bayerischen und deutschen Landen und selbst in der Fremde sympathischen Anklang gefunden." In der Tat. Zum 100. Geburtstag von Krettner berichtet 1949 der damalige Kurier-Redakteur Baron von Türkheim, dass der "Tölzer Schützenmarsch" sogar schon in Palästina zu hören gewesen sein. Jedenfalls gehört er zum Standardrepertoire der deutschen Blasmusikszene.

Anton Krettner ist nicht alt geworden. Der langjährige Magistrat (heute: Stadtrat) war für die Gemeindefinanzen zuständig. Im Jahr 1899 wurde er, der auch juristische Erfahrung hatte und hauptstadterfahren war, zum Bürgermeister von Tölz gewählt. Ihm blieben nur wenige Monate bis zu seinem Tode im November 1899. Dennoch fiel in diese kurze Amtszeit eine zweite für Tölz bis heute nachwirkende wesentliche Zäsur: Prinzregent Luitpold genehmigte die Bezeichnung "Bad Tölz" für den aufstrebenden Kurort.

Gerhard Schmidt-Gaden, Leiter Tölzer Knabenchor: "Es ist ein einmaliges Volksstück. Was ihn ausmacht, ist einfach die Musik, die Qualität. Der Text ist ja nicht so wichtig, das ist nur was für die Tölzer. Er hat schöne Melodien, ist zwischendrin auch mal zackig. Er hat die Klasse eines Bayerischen Defiliermarschs oder Egerländer Marschs.
Ich mag ihn persönlich wirklich sehr gerne."

Harald Roßberger, Leiter der Tölzer Sing- und Musikschule: "Der Tölzer Schützenmarsch genießt auch außerhalb von Tölz große Wertschätzung. Egal, wo man hinkommt: der Tölzer Schützenmarsch ist ein Begriff. Der Marsch ist sehr melodisch und harmonisch sehr interessant. Er lebt von den unterschiedlichen Charakteren in den verschiedenen Teilen und beschreibt das Tölzer leben sehr urwüchsig. Ich mag den Marsch!"

Sepp Kronwitter, Leiter der Tölzer Stadtkapelle: "Sein volksliedhafter Charakter, der mit heimatstolzem Gesang verbunden ist, tritt deutlich hervor und es wird dadurch klar, weshalb gerade dieser Marsch nicht nur eine Hymne an Tölz, sondern darüber hinaus der Marsch des Oberlandes und einer der bekanntesten Märsche im deutschsprachigen Raum ist. Der Marsch ist einer der schwierigsten in der Blasmusikliteratur. Wenn er gesungen wird, benötigt er einen riesigen Stimmumfang. Für einen Bläser stellt er natürlich dann dieselben großen Anforderungen. Die Melodieführung über zwei Oktaven - mit großen Sprüngen und interessant gesetzte Harmonien - machen den Marsch sehr anspruchsvoll, aber dadurch auch einzigartig!"

 

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