Walter Pensberger: Die größte Leichtathletik-Hoffnung des Isarwinkels

Mit dem Leistungssport hat er heute nicht mehr viel zu tun. Er betrachtet das Geschehen "nur noch aus der Distanz". Dabei war Walter Pensberger die vermutlich größte Leichtathletik-Hoffnung, die je aus dem Isarwinkel hervorgegangen ist. Mit seinen 14,0 Sekunden über 110 Meter Hürden wäre er  bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom glatt um Bronze mitgelaufen. Wegen einer Verletzung war der Tölzer aber in der Qualifikation ausgeschieden.
Es waren die damals noch häufigen Bergsportfeste im Oberland, bei denen der junge Pensberger, Jahrgang 1934, mit seinem Lauf- und Sprungtalent erstmals auffiel. "Ich lief damals die 100 Meter in 11,2 Sekunden, sprang 1,75 Meter hoch und 6,40 weit", erzählt er. Auch beim Blombergturnfest war der "Bensche", wie er genannt wurde, natürlich am Start. Dass es nie zum Titel reichte, sei dem Kugelstoßen geschuldet, sagt der heute noch eher drahtige als kräftige Sportler.

Hans Rampf, bekannter Eishockeyspieler und begabter Läufer, nahm das Mitglied des Tölzer Turnvereins 1954 dann mal mit nach München zum TSV 1860 München, der eine exzellente Leichtathletikabteilung besaß und das Jungtalent aus dem Isarwinkel unter ihre Fittiche nahm. Bei 1860 wurde auch die eher zufällige Prägung zum Hürdenläufer vollzogen. Pensberger erinnert sich: "Die brauchten halt einfach einen."

Der Wechsel machte sich bezahlt. Die persönlichen Bestleistungen purzelten nur so, sieben oder acht Mal wurde Pensberger Bayerischer Meister. Der internationale Durchbruch erfolgte 1959 und ist eng mit dem 7. Juli verbunden, an dem Sportgeschichte geschrieben wurde. Der Kölner Hürdenläufer Martin Lauer (Bildmitte) stellte an diesem Tag im Züricher Letzigrund-Stadion über die 110 Meter-Distanz mit 13,2 Sekunden einen Fabelweltrekord auf, der bis 1972 hielt. Pensberger (im Foto rechts) war in diesem Lauf ebenfalls am Start und wurde "auf der unerhört schnellen Bahn" mit 14,0 Sekunden Dritter. Beinahe unglaublich klingt es, wie sich die beiden Topathleten auf diesen Wettkampf vorbereiteten. Sie unternahmen am Wettkampftag gemeinsam einen Segeltörn auf dem Zürichsee und  verpassten die gemeinsame Busabfahrt. "Wir haben halt ein Taxi genommen und sind gerade noch rechtzeitig ins Stadion gekommen."

Pensberger lebte bis 1960 noch in Tölz und arbeitete bei der Sparkasse. Das Training und die immer häufiger werdenden Einladungen zu Sportfesten machten den Umzug nach München aber schließlich zur logischen Konsequenz. Seit 1960 war er "Siemensianer", die Samstage endlich frei für Wettkämpfe und Reisen. Dennoch war 1960 kein glückliches Jahr. Wegen einer Verletzung wurde er bei der Deutschen Meisterschaft nur Vierter. Damit hatte er die Qualifikation für die Olympiade in Rom um einen Platz verpasst. Im Jahr darauf gewann Pensberger alle Länderkämpfe und wurde als legitimer Nachfolger von Weltrekordmann Martin Lauer gehandelt, der inzwischen verletzungsbedingt seine Karriere an den Nagel hatte hängen müssen. Es sollte nicht sein: Bei der Deutschen Meisterschaft erhielt der 27-Jährige im Finale kurz nach dem Start einen Schlag vom Nachbarn gegen die Brust, Pensberger wurde Letzter, die Titeljagd war erneut gescheitert.

Damit war der Zenit überschritten. Die Achillessehne machte Pensberger zunehmend zu schaffen. Sportlich ging's schrittweise bergab. In Erinnerung bleibt Pensberger gleichwohl eine gute Zeit mit unzähligen Reisen. "Reisen, das war ja meine Motivation. Ich habe die ganzen Ostblockländer in einer Zeit erlebt, in der kein Normalsterblicher dort sein durfte. Ich war in ganz Europa und in Afrika, ich habe echt was gesehen."

Reisen als Motivation? Gab's kein Honorar? "Zwei Dollar Tagegeld bei Wettkämpfen", antwortet Pensberger, "das waren immerhin acht Mark, sonst nichts." Die gängige Methode, um ein paar Mark zu verdienen, sei gewesen, die gestellte Flugkarte zu internationalen Sporttreffen zu verkaufen und mit dem Auto zu fahren. Martin Lauer habe für seinen Weltrekord "nichts gekriegt".

Das mit dem Geld habe erst Ende der 1960er-Jahre richtig begonnen. Walter Pensberger war in jenen Jahren auch DLV-Trainer und nimmt kein Blatt vor den Mund, was Dopingpraktiken zu Zeiten von Sportmedizinern wie Prof. Klümper und Prof. Keul auch im bundesdeutschen Lager betrifft. "Das erzählt mir keiner, dass da nur in der DDR gedopt wurde."

Pensberger hat daraus Konsequenzen gezogen und sich vom Leistungssport mehr und mehr zurückgezogen. Geblieben ist die Lust am Reisen. Der einstige Hürdenläufer sucht die sportliche Herausforderung heute auf den Bergen und hat mehrere Sechstausender bezwungen.

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